Kapitel 7 · Bereich II – Spielablauf
Ausspielen & Stichzwänge
Farbzwang, Tarockzwang, Stichzwang und der Kaiserstich – die goldenen Regeln am Tarocktisch.
Wer spielt aus?
Sobald der Spielersteher mit „Ich liege!" das Spiel eröffnet hat und alle Ansagen und Kontras abgeschlossen sind, beginnt das eigentliche Spiel. Wer ausspielt, hängt von der Spielart ab:
- Bei Positivspielen spielt die Vorhand aus
- Bei Negativspielen (Bettler, Piccolo, Zwiccolo, Trischaken) spielt der Spielersteher aus
- Sagen mehrere Spieler gleichzeitig ein Negativspiel an, spielt der Erste aus
Insgesamt werden 12 Stiche gespielt – immer gegen den Uhrzeigersinn. Wer einen Stich macht, spielt die nächste Karte aus.
Die drei goldenen Regeln
Drei zentrale Regeln bestimmen, welche Karte Sie in welcher Situation spielen müssen. Sie heißen Farbzwang, Tarockzwang und Stichzwang.
| Regel | Kurzformel | Gilt bei |
|---|---|---|
| Farbzwang | Ausgespielte Farbe bedienen | Allen Spielen |
| Tarockzwang | Ohne Farbe: Tarock geben | Allen Spielen |
| Stichzwang | Höchste liegende Karte überstechen | Nur Negativspielen |
Regel 1: Farbzwang
Es besteht bei allen Spielen Farbzwang. Wird eine Farbe ausgespielt, müssen alle anderen Spieler diese Farbe zugeben – sofern sie sie „mithaben", also mindestens eine Karte dieser Farbe auf der Hand haben.
Beispiel: Ein Spieler spielt die Herz Dame aus. Jeder Mitspieler, der Herzkarten hat, muss Herz zugeben – ganz gleich welche Herzkarte. Wer keine Herzkarte hat, wird ein Fall für die nächste Regel.
Regel 2: Tarockzwang
Es besteht bei allen Spielen Tarockzwang. Wer die ausgespielte Farbe nicht mithat, muss Tarock zugeben – selbst wenn er damit einen Stich macht, den er vielleicht gar nicht möchte.
Hat ein Spieler weder die ausgespielte Farbe noch Tarock auf der Hand, darf er jede beliebige Farbkarte abwerfen – oft eine geschickte Gelegenheit, eine unerwünschte Karte loszuwerden.
Regel 3: Stichzwang
Stichzwang gilt nur in Negativspielen – also beim Piccolo, Zwiccolo und Bettler. Beim Stichzwang muss die höchste am Tisch liegende Karte überstochen werden, sofern dies möglich ist.
In Positivspielen besteht dagegen kein Stichzwang. Jeder Spieler entscheidet selbst, ob er sticht oder laschiert (also untersteht, ohne zu stechen). Das macht die taktischen Möglichkeiten erheblich größer.
📌 Sonderregel bei Negativspielen
Bei Negativspielen darf der Pagat nur als letzte Tarockkarte gespielt oder zugegeben werden (Ausnahme: Kaiserstich – siehe unten).
Sonderfall Farbenspiele
Bei Farbenspielen (Farben-Dreier und Farben-Solo) gelten besondere Regeln:
- Es gilt Farb- und Tarockzwang, aber kein Stichzwang
- Die Stichkraft der Tarock gegenüber Farbkarten ist aufgehoben – Tarock sind also keine Trümpfe
- Es muss zuerst Farbe ausgespielt werden, solange man Farbkarten hat. Erst wenn keine Farbkarten mehr auf der Hand sind, darf Tarock ausgespielt werden
- Kann ein Spieler eine ausgespielte Farbe nicht bedienen, muss er Tarock zugeben (soweit vorhanden)
- Der Pagat muss in Farbenspielen nicht als letztes Tarock gespielt werden
Details zu beiden Spielarten im Kapitel Farbenspiele.
Sonderregel: Kaiserstich (Märchenstich)
Eine wunderbare Besonderheit im Tarock – und einer der Momente, die das Spiel so spannend machen:
👑 Der Kaiserstich
Fallen Gstieß, Mond (XXI) und Pagat (I) – also alle drei Trullstücke – in einem einzigen Stich (gleich in welcher Reihenfolge), so sticht der Pagat!
Normalerweise ist der Pagat das niedrigste Tarock und hätte gegen Mond und Gstieß keine Chance. Beim Kaiserstich aber kehrt sich die Rangordnung um – der kleine Pagat besiegt die beiden Mächtigen. Das ist auch der Grund, warum man sagt: „Der Pagat ist nie tot, solange Mond und Gstieß noch im Spiel sind."
Diese Regel gilt auch in Farbenspielen. Sie ist einer der spektakulärsten Momente im Tarock – und einer der seltensten.
Die Spielziele im Überblick
Tarock bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten – alle Spiele und Zusatzprämien lassen sich letztlich auf folgende Grundziele zurückführen:
| Spielziel | Was muss erreicht werden? | Beispiel |
|---|---|---|
| Das Spiel | Mindestens 35 Punkte und 2 Blatt in den Stichen | Dreier, Rufer |
| Ein Stich | Der Spieler macht genau einen Stich | Piccolo |
| Kein Stich | Der Spieler macht keinen einzigen Stich | Bettler |
| Wenig Punkte | Jeder versucht, möglichst wenige Punkte einzustechen | Trischaken |
| Vogel | Letzten/vorletzten/drittletzten/viertletzten Stich mit Pagat/Uhu/Kakadu/Quapil machen | Besserrufer |
| König Ultimo | Der gerufene König wird im letzten Stich „heimgestochen" | Solorufer |
| Trull | Gstieß, Mond und Pagat gemeinsam in den Stichen einer Partei | Zusatzprämie |
| Alle Könige | Alle vier Könige in den Stichen einer Partei | Zusatzprämie |
| Valat | Alle Stiche gehen an eine Partei | Valat & Kontra |
📌 Besonderheit beim Valat
Kommt es zum Valat, gelten Vogel und andere Zusatzprämien (Trull etc.) nur, wenn sie angesagt wurden – still gespielte Prämien zählen nicht. Wird ein angesagter Valat verloren, ist damit auch das Spiel verloren – selbst wenn 35 Punkte und 2 Blatt erreicht wurden. Vom Spieler gewonnene angesagte Zusatzprämien (z.B. Vogerl) zählen aber trotzdem. Mehr im Kapitel Valat & Kontra.