Kapitel 8 · Bereich II – Spielablauf
Renonce
Regelverstöße am Tarocktisch – was gilt als Fehler, was nicht und welche Konsequenzen folgen?
Was bedeutet Renonce?
Renonce bedeutet Regelverstoß. Der Begriff stammt aus dem Französischen (renoncer = verzichten) und bezeichnet beim Tarock eine klare Verletzung der Spielregeln – etwa wenn ein Spieler Farbzwang oder Tarockzwang missachtet.
Am Tarocktisch gelten Fair Play und Eigenverantwortung. Jeder Spieler ist selbst für korrektes Spiel verantwortlich. Die Renonce-Regeln sollen:
- alle regulären Spieler schadlos halten
- verhindern, dass jemand einen unrechtmäßigen Vorteil erlangt
Die Renonce-Regeln sollten jedoch nicht allzu kleinlich ausgelegt werden. Beim Tarock gibt es unzählige Spielsituationen – es ist unmöglich, jede im Vorhinein durch Regeln zu erfassen. Gesunder Menschenverstand und Fairness gehen vor.
Was passiert bei Renonce?
Eine Renonce wird streng sanktioniert:
- Alle regulären Spieler erhalten die Punkte, als hätten sie das Spiel samt aller angesagten Prämien gewonnen
- Dem renoncierenden Spieler werden diese Punkte als Minus angelastet
- Ein renoncierender Ruferspieler muss auch seinem Partner bezahlen – die Partnerschaft schützt nicht
- Bei Alleinspielen ist dem Alleinspieler der dreifache Spielwert zu zahlen
Mit anderen Worten: Eine Renonce kann sehr teuer werden. Darum lohnt sich Aufmerksamkeit am Tisch – besonders bei Farb- und Tarockzwang.
Harte Regelverstöße (immer Renonce)
Folgende Verstöße gelten immer und unabhängig von den Umständen als Renonce:
| Verstoß | Beispiel |
|---|---|
| Missachtung von Farb-, Tarock- oder Stichzwang | Abwerfen einer Karte obwohl man die Farbe mithat |
| Falsche Kartenanzahl | Spielen mit 11 oder 13 Karten statt 12 |
| Talon- oder Ablagefehler | Verlegen von zu vielen oder zu wenigen Karten; König oder Trullstück verlegen |
| Besserrufer ohne Vogel im Blatt | Pagatrufer-Ansage, ohne den Pagat zu haben |
| Rufer mit vier Königen im Blatt | Alle vier Könige selbst haben und trotzdem Rufer spielen |
| König Ultimo ohne den gerufenen König | König Ultimo ansagen, ohne den gerufenen König selbst zu haben |
| Spielentscheidendes Vorwerfen | Absichtliches oder fahrlässiges Zeigen von Karten, das das Spiel verrät |
Leichte Verstöße (keine Renonce)
Nicht jede Unachtsamkeit ist gleich eine Renonce. Folgende Fälle sind in der Regel keine harten Regelverstöße – besonders wenn sie versehentlich geschehen und nicht spielentscheidend sind:
- Missverständliche Ansagen
- Voreiliges Rufen oder verfrühtes Aufdecken des Talons
- Falsches Ausspiel
- Vorzeitiges Zuwerfen einer Karte
- Reine Versprecher, unbedachte Bemerkungen, verräterische Gesten
Diese Verstöße werden in der Regel toleriert oder sofort korrigiert – insbesondere wenn keine spielentscheidenden Informationen preisgegeben wurden. Am Tarocktisch gilt: Fair Play und Nachsicht vor kleinlicher Regelauslegung.
„Was liegt, das pickt"
Ein wichtiger Merksatz am Tarocktisch lautet: „Was liegt, das pickt". Das bedeutet: Eine einmal regulär gespielte Karte darf nicht mehr zurückgenommen werden.
Bei einer drohenden Renonce gibt es jedoch eine wichtige Ausnahme:
- Liegen die Karten noch am Tisch (der Stich wurde noch nicht eingezogen), darf die falsche Karte zurückgenommen und korrigiert werden – sofern es sich um ein offensichtliches Versehen handelt
- Wurde der Stich bereits eingezogen oder zum nächsten Stich ausgespielt, ist keine Korrektur mehr möglich
Hinweis-Pflicht? Niemand ist verpflichtet, einen Spielfehler aufzudecken. Eine Renonce sollte aber bei der ersten Gelegenheit angesprochen werden. Hinweise, um einen Mitspieler vor einer drohenden Renonce zu bewahren, sind ausdrücklich erlaubt.
Karten trennen und einsehen
Für klare Verhältnisse am Tisch gelten einige einfache Regeln:
- Alle Karten sind getrennt zu halten – Blatt, Stiche und Talon dürfen sich nicht vermischen
- Stiche werden beim jeweiligen Spieler abgelegt – auch die Stiche von Partnern dürfen nicht zusammengelegt werden
- Der letzte Stich darf von allen Spielern eingesehen werden
- Die übrigen Stiche und der Talon sind tabu (kein „Nachwassern")
- Ein kurzer Blick in die eigenen Stiche oder die eigene Ablage ist keine Renonce, sollte aber vermieden werden
- Bei Reklamationen dürfen Karten nicht hingeworfen oder vermischt werden – wer die Klärung vereitelt, begeht selbst Renonce
Renonce und Kontras
Auch in Sachen Kontra gibt es einige Besonderheiten:
- Partner dürfen sich nicht kontrieren
- Stellt sich die Partnerschaft erst während des Spiels heraus, zählen Kontras unter Partnern nicht
- Kontras sind bei der ersten Gelegenheit auszusprechen
- Stellt sich ein vermeintlicher Partner als Gegner heraus, sind auch nachträgliche Kontras zulässig (auch wenn man vorher schon „gut" gesagt hat)
- Im Falle einer Renonce muss der renoncierende Spieler alle getätigten Ansagen (Spiel, Prämien und Kontras) an alle regulären Spieler bezahlen – auch an eventuelle Partner
Besondere Situationen
Falscher Geber oder falsches Ausspiel
Gibt der falsche Geber, wird neu gegeben – sofern der Fehler rechtzeitig bemerkt wird. Wurde bereits ein Spiel angesagt, gilt die falsche Reihenfolge als sanktioniert. Spielt der falsche Spieler aus, ist dies zu korrigieren. Wurde der Stich bereits eingezogen oder zum nächsten Stich ausgespielt, gilt das falsche Ausspiel als sanktioniert.
Fehler beim Geben
Fehler beim Geben sind keine Renonce. Kann eine falsche Zuteilung korrigiert werden, muss nicht neu gegeben werden. Fällt beim Geben eine Karte offen, sollte neu gegeben werden, wenn spielrelevante Informationen preisgegeben wurden.
Verraten des Spiels
Zeigt ein Spieler seinen Partnern die Karten, ist das nur dann eine Renonce, wenn dadurch das Spiel verraten wurde. Das vorzeitige Hinlegen der Karten gegen Spielende ist nicht als Renonce zu werten, auch wenn die Gegenspieler wider Erwarten doch noch stechen könnten.
Zuschauer und Kiebitze
Zuschauer und Kiebitze dürfen sich überhaupt nicht ins Spiel einmischen – auch nicht im Falle einer Renonce. Bei einem Verstoß ist der Kiebitz auf seine Schweigepflicht hinzuweisen. Gleiches gilt bei fünf Spielern auch für den aussetzenden Fünften.