Kapitel 12 · Bereich III – Die Spiele
Der Solorufer
Das Spiel der Könige – Rufer ohne Talon, mit doppelten Prämien und besonderem Reiz.
Das Spiel der Könige
Der Solorufer – kurz „Solo" genannt – ist ein Rufer ohne Talonaufnahme. Der Spieler ruft wie beim normalen Rufer einen König als Partner, verzichtet aber auf die Möglichkeit, seine Karten durch den Talon aufzubessern. Der gesamte Talon fällt den Gegnern zu.
Das primäre Spielziel verschiebt sich beim Solorufer: Im Vordergrund steht nicht mehr das Spiel (35 Punkte), sondern der König Ultimo – also, dass der gerufene König vom Partner im letzten Stich „heimgestochen" wird. Das Spiel selbst zählt nur 2 Punkte, der angesagte König Ultimo bringt aber 4 Punkte.
Besonders reizvoll: Alle Zusatzprämien zählen doppelt – Vögel, König Ultimo, Trull und alle Könige. So bringt schon ein stiller Uhu satte 4 Punkte. Mehr Details im Kapitel Prämien.
Welche Karten brauche ich?
Für einen Solorufer benötigen Sie ein stärkeres Blatt als für den einfachen Rufer – schließlich fehlt Ihnen der Talon. Gleichzeitig ist Ihr Blatt nicht stark genug für einen Dreier:
- 5–6 Tarock inklusive Gstieß oder Mond (XXI) – damit der Partner im letzten Stich den König heimstechen kann
- Mindestens ein eigener König – ideal: blank oder schwach besetzt
- Eine oder mehrere Farben „skat" (also leer) – dann können Sie fremde Könige einstechen
- Den höchsten Trumpf für den letzten Stich aufheben, um den König heimzustechen
Besondere Situation: Langer Trumpf mit hohem Vogel. Haben Sie Gstieß zu fünft oder sechst, oder Mond zu sechst oder siebent, oder lange Tarock ohne Trullstück mit einem hohen Vogel – dann kann auch ein stilles Vogerl als Überraschung reizvoll sein.
Welchen Partner rufe ich?
Gerufen wird bevorzugt die Farbe, in der Sie die blanke Dame oder zumindest den Reiter haben (allenfalls einfach besetzt) – jedenfalls aus einer kurzen Farbe. Der Grund: Damit der König vom Partner leichter angesagt werden kann, sollte der Partner seinen König möglichst lange halten können.
Sonderfall: Drei Könige im Blatt
Haben Sie drei Könige selbst auf der Hand, ist die Ansage „Ich rufe den Vierten" besonders reizvoll und informativ: Der Partner wird damit davor gewarnt, den König anzusagen. Gleichzeitig signalisieren Sie Stärke.
Hinweis: Hätten Sie zu drei Königen auch noch viele Tarock, würden Sie eher einen Dreier oder Solodreier spielen.
Sonderregel: König im Talon
Liegt beim Solorufer der gerufene König im Talon, gilt eine wichtige Sonderregel:
- Der Alleinspieler erhält die Punkte der Talonhälfte mit dem gerufenen König
- Die andere Talonhälfte geht an die Gegner
- Kontras zählen in diesem Fall nicht – weder Kontras der Gegner noch angesagte Kontras
- Ein allfälliger Schuss gilt nicht, auch wenn der Spieler gewonnen hat
Der Spieler hat sich in diesem Fall „hineingerufen" – er spielt dann allein gegen drei, mit der vollen Talonhälfte als Unterstützung.
Taktik beim Solorufer
Als Spieler
- Spielen Sie bevorzugt Ihren langen König oder Ihre lange Farbe aus
- Blanke Könige spielen Sie nicht an – die kommen später, wenn der Gegner nicht mehr bedienen kann
- Planen Sie ein stilles Vogerl, dann tarockieren Sie von Beginn an
- Bewahren Sie Gstieß oder Mond für den letzten Stich – der König Ultimo ist das primäre Ziel
Als Partner
- Versuchen Sie, den Spieler in Tarock lange zu machen – spielen Sie seine lange Farbe
- Wechseln Sie die Farben, spielen Sie eher hohe Figuren
- Zeigt der Spieler Tarock an, tarockieren Sie zurück
- Von sich aus tarockieren Sie nicht – außer der Spieler spielt Tarock an
- Sagen Sie den König an, wenn Sie ihn mindestens zu dritt und 3–4 Tarock mit einem Stecher haben
Als Gegner
- Spielen Sie Ihre Könige – der Spieler konnte seine Karte mangels Talon nicht reinigen
- Versuchen Sie, den Spieler in Tarock zu kürzen – spielen Sie seine Fehlfarbe
- Spielen Sie eher niedrige Farbkarten aus
- Tarockstarke Gegner tarockieren – besonders bei angesagtem König Ultimo
- Zu Beginn: Gerufene Farbe anspielen, um den Partner zu suchen
Warnung für Gegner: Die Regel „Im Solo spiele Könige!" gilt nur für den Spielersteher und seinen Partner – nicht für die Gegner. Als Gegner spielen Sie Ihre Könige gezielt ein, aber nicht unüberlegt.