Kapitel 14 · Bereich III – Die Spiele
Der Sechser-Dreier
Allein gegen drei mit dem ganzen Talon – nur für die Vorhand. Das mutigste Alleinspiel mit 6 verdeckten Tauschkarten.
Das mutigste Alleinspiel
Der Sechser-Dreier ist ein sehr spezielles Spiel: Nur die Vorhand darf ihn spielen, und sie muss ihn sofort zu Beginn der Lizitation ansagen – alle anderen Spiele können auch später angesagt werden, der Sechser-Dreier muss als Erstes kommen. Nach der Ansage des Sechser-Dreiers ist die Lizitation im Wesentlichen beendet (außer ein höheres Spiel wird geboten).
Der Spieler nimmt den gesamten Talon – alle 6 Karten – verdeckt auf, ohne ihn vorher zu sehen! Er verlegt anschließend 6 Karten verdeckt. Das macht den Sechser-Dreier zum mutigsten aller Alleinspiele: Man muss auf den Talon vertrauen, ohne zu wissen, was er enthält.
Wird der Sechser-Dreier verloren, zahlt der Spieler das Spiel doppelt (8 statt 4 Punkte). Prämien werden bei Verlust nicht verdoppelt.
Welche Karten brauche ich?
Den Sechser-Dreier gewinnt man mit Tarock-/Stecherhoheit oder alternativ mit vielen Königen. Ohne Trullstück wird kein Sechser-Dreier gespielt – Ausnahme: ein imposantes reines Tarockblatt.
Die „10-Punkte-Regel"
Eine einfache Faustregel zur Bewertung Ihres Blatts:
- Jedes kleine oder mittlere Tarock = 1 Punkt
- Jeder König = 1 Punkt
- Jeder Stecher (Tarock XVI und höher) = 2 Punkte
Wenn Sie auf 10 Punkte kommen, können Sie einen Sechser-Dreier ansagen.
Blatt-Varianten für den Sechser-Dreier
Standard
Gstieß zu sechst oder Mond zu siebent mit 1–2 zusätzlichen Stechern, 1–2 Könige oder 1 König und eine lange Farbe.
Variante 1
Gstieß und Mond zu fünft und eine lange Farbe mit König.
Variante 2 – Mega-Tarockblatt
9–10 Tarock ohne Trullstück und eine gute Farbkarte (König). Hier gewinnt pure Tarockhoheit.
Variante 3 – Königs-Sechser
Gstieß zu viert oder fünft und drei Könige. Mindestens zwei Könige sollten kurz besetzt sein (Risiko: Könige können gestochen werden).
Wichtig: Valatsicherheit. Bei risikoreichen Varianten muss der Spieler valatsicher sein – er braucht also Gstieß oder Mond/XX. Ein verlorener Valat wäre besonders teuer.
Welche Karten verlege ich?
Standard: Engfärbig verlegen
Der Spieler verlegt sich engfärbig und verlegt möglichst viele Punkte. Idealerweise hat er keine offene Farbe (also keine Farbe ohne König). Sein Ziel: Die gegnerische Schmiere (hohe Punktkarten) einzustechen. Hat er eine offene Farbe, stechen die Gegner seine Könige samt Schmiere ein.
Variante 1: Punkte vor Farbenreinheit
Bei einem schlechten Blatt wird dem Verlegen von Punkten der Vorzug gegeben. Eine offene Farbe wird in Kauf genommen.
Variante 2: Die „Reiz-Dame"
Bleibt eine offene Farbe, ist eine blanke oder besetzte Dame eine trickreiche Option. Wenn der Gegner unter einem König ausspielt, sticht die Dame überraschend!
Variante 3: Dame zum König behalten
Bei gutem Blatt behält der Spieler die Dame zum eigenen König. Er spielt dominant, tarockiert und spielt sich so die Dame frei. Wird ein Skartin behalten, gibt der Spieler jedenfalls einen Stich her – besonders relevant bei angesagten Vögeln.
Was spiele ich aus? – Strategien
Standard: Mittelhohe Tarock
Der Spieler beginnt mit mittelhohen Tarock – nicht unter X, bevorzugt rund um XV. Der berühmte Merksatz lautet: „Der XIII-er macht die Leut' narrisch". Er versucht, die hohen Tarock der Gegner herauszuziehen. Ab der Mitte des Spiels – wenn er die Gegner austarockieren kann – schlägt er seine hohen Tarock herunter.
Variante 1: Lange Farbe spielen
Hat der Spieler wenig Tarock, aber eine lange Farbe, spielt er diese von Beginn an. Bis König zu fünft beginnt er mit dem König. Hat er mehrere Karten einer Farbe ohne König, beginnt er mit dem „Elend" (den niedrigen Karten dieser Farbe).
Variante 2: Den Gstieß suchen
Hat der Spieler Mond, XX, XIX, sucht er gleich zu Beginn den Gstieß. Er spielt Tarock XX, um den Gstieß herauszulocken. Sein Ziel: den „Hausmeister" zu haben – also sich mit dem Mond frei zu bewegen.
Variante 3: Von oben herunter
Nur mit besonders guten Karten schlägt der Spieler von Beginn an von oben durchgehend herunter – etwa bei Valatchance oder geplantem hohem Vogel. Risiko: Bei ungleicher Tarockverteilung bekommt der Spieler anfangs nur wertlose Stiche („Er schlägt sich zu Tode"), am Ende machen die Gegner fette Stiche mit hoher Schmiere.
Variante 4: Königschutzprogramm
Hat der Spieler 3–4 Könige und wenige hohe Tarock, schlägt er dennoch von Beginn an von oben herunter. Er kürzt die Gegner in Tarock, damit seine Könige leichter durchgehen. Vorsicht vor stillen Gegenvögeln!
Variante 5: Bei schwachem Blatt
Bei besonders schwacher Karte muss sparsam mit Tarock umgegangen werden. Der Spieler „spielt sich auf die letzten Stiche zurück". Die letzten 2–3 Stiche bringen oft 10+ Punkte – so manches schwache Blatt wurde schon mit dem Finale gewonnen.
Wichtig: Der Spieler eines Sechser-Dreier spielt seine kurzen Könige niemals selbst zu Beginn an! Sie würden zu leicht von einem Gegner abgestochen, der vielleicht nur wenige Tarock hat. Außerdem würde das Ausspielen kurzer Könige den Gegnern das Erraten der Fehlfarben erleichtern.
Wie lege ich das Gegenspiel an?
- Die Gegner suchen die Fehlfarbe des Sechserspielers, um ihn in Tarock zu kürzen
- Sie spielen gerne unter einem König aus
- Der starke Gegner bleibt konsequent auf seiner langen Farbe
- Der schwache spielt die angezeigte Farbe des Partners zurück, wechselt Farben, legt dem Spieler ein hohes Tarock vor
- Die Gegner versuchen, den Spieler „in die Mitte zu nehmen": Unsicherheit beim Stechen (hoch oder niedrig?)
🎯 Das stille Gegenvogel
Im Gegenspiel ist es besonders reizvoll, dem Spieler ein stilles Gegenvogel anzuhängen. Routinierte Gegner behalten sich für das Endspiel ein großes Vogel auf (Uhu/Kakadu/Quapil – nicht den Pagat!). Vielleicht ist der Spieler unaufmerksam, oder er muss unter Zugzwang Tarock ausspielen, das ihm am Schluss dann fehlt.
Wann kann ich kontrieren?
Der Gegner benötigt für ein Kontra mindestens 6–7 Tarock mit 2 Stechern, optimalerweise ist er zweifärbig. Trullstücke sind positiv (sichern Punkte). Wenig Schmiere im eigenen Blatt ist ebenfalls ein Vorteil – die wird wahrscheinlich der Spieler einstechen.
Beim sogenannten Tarockschuss ist der Gegner dreifärbig, hat aber ca. 8 Tarock mit einigen Stechern. Mehr zum Thema im Kapitel Valat & Kontra.