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Startseite Anleitung Alle Spiele Die Ouvert-Spiele

Kapitel 19 · Bereich III – Die Spiele

Die Ouvert-Spiele

Die Krönung der Negativspiele – offen gespielt, mit beratenden Gegnern und bombensicherem Blatt.

Die Krönung der Negativspiele

Die Ouvert-Spiele sind die Königsdisziplin der Negativspiele. Das Besondere: Nach dem ersten Stich – vor dem zweiten Ausspielen – legen alle Spieler ihre Karten offen auf den Tisch. Der Talon bleibt verdeckt.

Das bedeutet: Die Gegner kennen alle Karten des Spielers und können gezielt dagegen spielen. Umgekehrt sieht auch der Spieler alle Karten – er weiß also, woher die Gefahr droht. Die Gegner dürfen sich am Tisch beraten („plaudern"), die gespielten Karten bleiben offen in der Reihenfolge am Tisch liegen.

Es gibt drei Ouvert-Spiele:

Gemeinsame Regeln

  • Farb-, Tarock- und Stichzwang gelten wie bei allen Negativspielen
  • Der Spielersteher spielt aus
  • Der Talon bleibt verdeckt
  • Der Pagat darf nur als letztes Tarock gespielt werden (Ausnahme: Kaiserstich)
  • Keine Zusatzprämien möglich
  • Jeder Gegner schießt für sich allein
  • Nach dem ersten Stich: Karten offen legen, vor dem zweiten Ausspielen
  • Gegner dürfen sich beraten („Plaudern")

Ouvert-Spiele nur mit bombensicherem Blatt! Weil die Gegner nach dem ersten Stich alle Karten sehen und sich absprechen dürfen, sollte das Blatt extrem sicher sein. Viele Schlusskarten sind unerlässlich.

Offen ausgebreitete Tarockkarten auf einem Tisch – symbolisches Bild für die Ouvert-Spiele, bei denen alle Karten nach dem ersten Stich offen liegen
Ouvert-Spiele – nach dem ersten Stich liegen alle Karten offen auf dem Tisch

Welches Blatt brauche ich?

Ouvert-Spiele sagen Sie nur mit einem bombensicheren Blatt an. Die Anforderungen:

  • Sehr viele Schlusskarten (Pik 7, Karo 4, Herz 2/3 etc.) – absolut essentiell
  • Keine lange Farbe ohne Schlusskarte
  • In jeder Farbe mindestens eine Karte, besser zwei (wenn nicht bereits tarocklos)
  • Maximal 2–3 Tarock, möglichst unter VII
  • Keine blanken Figuren (Dame, Reiter)

Warum diese Strenge? Die Gegner dürfen sich beraten. Selbst kleinste Schwächen im Blatt werden sofort ausgenutzt. Haben Sie etwa nur eine Karte in einer Farbe, wird diese Farbe zweimal gespielt – und Sie müssen tarockieren (und vielleicht stechen).

Variante 1

Piccolo ouvert

Wert

6 Punkte

Ziel

Genau 1 Stich

Karten

Offen nach 1. Stich

Wer darf?

Jeder Spieler

Spielziel: Genau einen Stich machen – bei offenen Karten und beratenden Gegnern.

Der Piccolo ouvert ist eine Steigerung des Piccolo. Der Pflichtstich bleibt – genau ein Stich. Aber nach dem ersten Stich liegen die Karten offen.

Was spiele ich aus?

Der Spieler darf zweimal ausspielen. Die Strategie richtet sich nach dem geplanten Pflichtstich:

  • Plan: Stich mit König → König gleich zu Beginn ausspielen (vor dem Aufdecken)
  • Plan: Stich mit Gstieß → Zuerst eine gefährliche Karte entschärfen (z.B. hohes Tarock oder lange Farbe), der Gstieß sticht ja ohnehin sicher

Nach dem Pflichtstich mit dem Gstieß kann der Spieler eine zweite gefährliche Karte entschärfen.

🎯 Zwei gefährliche Farben

Hat der Spieler zwei gefährliche Farben, muss er sich entscheiden, welche er entschärft. Die andere bleibt ein Risiko – die Gegner werden genau diese spielen!

Beispielblatt 1 – Piccolo ouvert mit Kreuz-König

Tarock-Beispielblatt für einen Piccolo ouvert – 12 Karten: Tarock XIX, Tarock VIII, Tarock III (3 Tarock), Kreuz König, Kreuz Bube, Herz Reiter, Herz 2, Karo Bube, Karo 3, Karo 2, Pik 8, Pik 7 – Pflichtstich mit Kreuz König zu Beginn ausspielen, dann Tarock XIX entschärfen
Piccolo ouvert mit Kreuz-König als Pflichtstich

Die 12 Karten im Blatt

Tarock (3): XIX, VIII, III

Kreuz (2): König, Bube (Pflichtstich mit König)

Herz (2): Reiter, 2

Karo (3): Bube, 3, 2

Pik (2): 8, 7

Analyse

Der Pflichtstich soll mit dem Kreuz-König erfolgen. Dieser wird zu Beginn ausgespielt, bevor die Karten offen liegen. Dann Tarock XIX entschärfen (das höchste verbliebene Risiko). Die niedrigen Schlusskarten in den anderen Farben (Karo 3/2, Pik 8/7, Herz 2) sind ideal. Der Herz-Reiter bleibt ein kleines Risiko – aber die Herz-2 als Schlusskarte hilft.

Beispielblatt 2 – Piccolo ouvert mit Karo-König

Tarock-Beispielblatt für einen Piccolo ouvert – 12 Karten: Tarock XVIII, Tarock III (2 Tarock), Karo König, Karo Bube, Karo 3, Herz Reiter, Herz 2, Pik Bube, Pik 8, Pik 7, Kreuz 10, Kreuz 9 – Planstich mit Karo König zuerst ausspielen, dann Tarock XVIII
Piccolo ouvert mit Karo-König und Tarock XVIII-Entschärfung

Die 12 Karten im Blatt

Tarock (2): XVIII, III

Karo (3): König, Bube, 3 (Planstich mit König)

Herz (2): Reiter, 2

Pik (3): Bube, 8, 7

Kreuz (2): 10, 9

Analyse

Zuerst den Planstich mit dem Karo-König spielen. Dann Tarock XVIII ausspielen, um die gefährlichste Karte zu entschärfen. Das Blatt hat alle Farben mindestens zweimal besetzt – ein Must beim Ouvert. Die niedrigen Schlusskarten in Pik (8, 7), Kreuz (10, 9) und Herz (2) bieten ausreichend Sicherheit.

Variante 2

Bettler ouvert

Wert

7 Punkte

Ziel

Kein Stich

Karten

Offen nach 1. Stich

Wer darf?

Jeder Spieler

Spielziel: Keinen einzigen Stich machen – bei offenen Karten und beratenden Gegnern das schwierigste Negativspiel!

Der Bettler ouvert ist die Steigerung des Bettlers: Das Spielziel ist weiterhin kein Stich. Nach dem ersten Stich liegen die Karten offen, die Gegner beraten sich.

Was spiele ich aus?

Der Bettler ouvert-Spieler spielt nur einmal aus – zu Beginn. Er entschärft dabei seine gefährlichste Karte:

  • Ein hohes Tarock
  • Eine hohe Farbkarte
  • Bei einer langen Farbe mit Dame/König: eine mittelhohe Karte

Nach dem ersten Stich ist der Spieler nur mehr „Gast" im Spiel – er muss die Spielzüge der Gegner erahnen und rechtzeitig seine gefährlichsten Karten abwerfen.

Das Gegenspiel: Bettler-Modus von Anfang an

Die Strategie der Gegner ist von Beginn an auf einen Stich des Spielers gerichtet. Sie stechen schon beim ersten Ausspielen ihre höchsten Tarock oder Farbkarten ein. Nach dem Aufdecken prüfen sie:

  • Hat der Spieler in einer Farbe nur eine Karte? → Zweites Spielen dieser Farbe zwingt ihn zum Tarockieren
  • Hat er noch ein hohes Tarock? → In die Hinterhand bringen, zum Einstechen zwingen
  • Hat er eine hohe Farbkarte? → In dieser Farbe in den Stich bringen
  • Gelingt es, ein Tarock des Spielers freizuspielen, sticht er unausweichlich

Beispielblatt 1 – Bettler ouvert mit Tarock XX

Tarock-Beispielblatt für einen Bettler ouvert – 12 Karten: Tarock XX, Tarock VI (2 Tarock), Herz Reiter, Herz 2, Karo Bube, Karo 3, Karo 2, Pik 8, Pik 7, Kreuz Bube, Kreuz 9, Kreuz 8 – Tarock XX wird zu Beginn ausgespielt, das Spiel ist verloren falls alle Gegner zwei Kreuz haben
Bettler ouvert mit Tarock XX als Eröffnung – riskanter Kreuz-Dreier

Die 12 Karten im Blatt

Tarock (2): XX, VI

Herz (2): Reiter, 2

Karo (3): Bube, 3, 2

Pik (2): 8, 7

Kreuz (3): Bube, 9, 8

Analyse

Tarock XX wird ausgespielt – die gefährlichste Karte. Der Bettler ist verloren, falls alle Gegner zwei Kreuz haben: Dann wird Kreuz dreimal gespielt, und der Spieler muss mit Tarock VI stechen (falls er noch eines hat) oder einen Kreuz-Buben einstechen, der beim dritten Kreuz-Spiel gewinnt. Ein Grenzfall.

Beispielblatt 2 – Ein sehr schöner Bettler ouvert

Tarock-Beispielblatt für einen Bettler ouvert – 12 Karten: Tarock XIX, Tarock IIII (2 Tarock), Herz Reiter, Herz 3, Herz 2, Karo Bube, Karo 3, Pik 8, Pik 7, Kreuz Bube, Kreuz 9, Kreuz 8 – zu Beginn Tarock XIX, gefährlich sind Tarock IIII und der Herz Reiter, ein sehr schöner Bettler ouvert
Ein sehr schöner Bettler ouvert – gute Karte mit wenigen Risiken

Die 12 Karten im Blatt

Tarock (2): XIX, IIII

Herz (3): Reiter, 3, 2

Karo (2): Bube, 3

Pik (2): 8, 7

Kreuz (3): Bube, 9, 8

Analyse

Zu Beginn spielt man Tarock XIX aus (entschärft die höchste Gefahr). Gefährlich sind Tarock IIII und der Herz-Reiter – aber beide sind mit Schlusskarten (Herz 2, Herz 3) und der kleinen Tarock-Zahl VII/VI umgebbar. Ein sehr schöner Bettler ouvert – jede Farbe zweimal besetzt, viele Schlusskarten, nur moderate Risiken.

Variante 3 · Zusatzansage

Zwiccolo ouvert

Der Zwiccolo ouvert ist wie der Piccolo ouvert, aber mit zwei Pflichtstichen. Er wird in der Regel als Zusatzansage gespielt. Die Strategien sind ähnlich wie beim Piccolo ouvert – allerdings mit mehr Flexibilität bei den Pflichtstichen.

Hinweis: Der Zwiccolo ouvert ist in den oberösterreichischen Turnierregeln kein Standardspiel. Er wird in einzelnen privaten Runden angesagt. Klären Sie vor Spielbeginn, ob er erlaubt ist.

Plaudern oder nicht plaudern?

Bei Ouvert-Spielen dürfen sich die Gegner über ihre Spielstrategie beraten. Das wird „Plaudern" genannt. Die gespielten Karten bleiben offen und in der Reihenfolge am Tisch liegen.

Mit Plaudern

  • Die Gegner können sich offen absprechen – wer sticht wann, wer schmiert was
  • Jeder bleibt für sein Spiel verantwortlich – niemand greift in fremde Blätter
  • Bei offener Beratung kann sich der Spieler orientieren und rechtzeitig die richtigen Karten abwerfen
  • Meist führt ein Gegner das Gegenspiel, um dem Spieler nicht zu viele Informationen zu geben

Ohne Plaudern

Wird ohne Reden gespielt (manche Regeln), sind Hinweise jeglicher Art verboten – auch Mimik, Gestik und Augenkontakt. Das Spiel ist dann besonders anspruchsvoll.

Achtung: Ist „Plauderer" erlaubt, haben Sie es als Spieler schwerer. Ihr Blatt sollte dann besonders sicher sein. Klären Sie die Hausregel (siehe Taroquette).

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